2014: Blödbürgertum und Jugend 3.0

Hier ein kurzer Rückblick in die neuesten Onlinestudien aus 2014 und einen Online-Anti-Pegida-Appell gegen das Blödbürgertum.

Laut BITKOM-Studie „Kinder und Jugend 3.0“  gehört das Internet für die meisten Kinder ab 8 Jahren zum Alltag. Mit 10 Jahren sind (fast) alle online. Das Smartphone ist für Jugendliche ab 12 Jahren das zentrale Kommunikationsgerät. Laut JIM Studie 2014 haben 86 Prozent der befragten Zwölf- bis 19-Jährigen das Internet über ihr Smartphone genutzt. Im Vergleich zur Erhebung im 2012 zeigt sich dabei eine deutliche Steigerung (2012: 49 %).
BITKOM weisst auf den bewussten Umgang der 6 bis 18-jährigen mit Inhalten und Privatsphäre hin. Und eine letzte Erkenntnis: Die meisten Eltern unterstützen ihre Kinder. Aber: signifikanter Anteil, der überfordert ist.

Zu Pegida aus einer Kolumne von Sascha Lobo: „Denn neben den auf den ersten Blick dummen, enorm dummen und galaktisch dummen Pegida-Fans gibt es nicht wenige, die intellektuell aus der Mitte der Gesellschaft zu kommen scheinen. … Vielmehr kommt mit Pegida ein neuer politischer Bürgertypus auf die Bühne – der unbewusst Rechtsextreme oder Latenznazi. Also Leute, die rechtsextreme Positionen vertreten, ohne zu wissen oder wissen zu wollen, dass sie rechtsextrem sind.“ Mehr von Sascha Lobo hier! Der Widerstand wächst Online wie Offline: In Bonn standen 250 Anhänger einer Pegida-Unterstützergruppe etwa 2500 Gegendemonstranten gegenüber, auch in Kassel kamen auf 200 Kagida-Anhänger zehnmal so viele Gegner. Die Fakten sprechen ebenfalls für sich und gegen die Überfremdungspanik der Pegidas: „Zwischen Januar und November 2014 wurden lt. BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) 181.453 Asylanträge (etwa 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung) gestellt.“ Details unter: Aktuelle Zahlen zu Asyl. Die Online-Gegenbewegung wird ebenfalls größer wie eine Onlinepetition bei change.org zeigt. Mit knapp 70tsd Unterschriften wird hier ein Zeichen gesetzt.

Schaun wir mal was 2015 bringt!

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Kinderzimmer-Productions Online-Seminar

Unter dem Titel „Kinderzimmer-Productions“ bietet das Media Literacy Lab vom 23. Februar bis 16. März 2014 eine Online-Expedition in digitale Kinder- und Jugendwelten an.

„Was machen die jungen Leute da eigentlich in ihren digitalen Welten?“  Also: Woran tüfteln, was bauen und produzieren, gestalten und designen Kinder und Jugendliche mithilfe digitaler Werkzeuge, auf vernetzten Plattformen und in virtuellen Räumen? Dazu gehören multimediale Werke, von Videos über Musikstücke bis zu Zeichnungen und Fotos. Das setzt sich fort in selbstgestalteten Welten – programmiert mit Scratch oder zusammengebaut mit Minecraft, Toca Boca oder RPG Maker.

Robot-Hand

Der Online Kurs des MLL ist projektbasiert und modular aufgebaut. Alle  TeilnehmerInnen können sich eigene Schwerpunkte aus einem Angebot von Themen und Aufgaben heraussuchen. Es gibt drei Arbeitsbereiche:

  • Im Collector-Space werden Beispiele, Beschreibungen und Geschichten gesammelt und systematisiert.
  • Im Maker-Space wird ausprobiert: Wir bauen virtuelle Städte mit Minecraft, Joysticks aus Obst mit MakeyMakey, unsere eigene tagesschau.de mit dem Hackasaurus oder gleich etwas mit einem 3D-Drucker.
  • Im Reflector-Space wird reflektiert und diskutiert. Was bedeuten die neuen medialen Praktiken für das Aufwachsen, die digitalen Lebenswelten für unsere Gesellschaft, die kreativen Möglichkeiten für das Lernen?

Guides, Coaches und Experten geben Inputs und unterstützen die KursteilnehmerInnen in allen drei Bereichen als Collectors, Makers und Reflectors. Aber machen muss am Ende jeder selbst.

Anmeldungen, weitere Informationen und öffentliche Kursvorbereitung ab sofort via medialiteracylab.de

Und wer keine Zeit oder Lust hat auf den Kurs, schaut sich einfach mal das BallonoPhone bei Youtube an.

Naschisperre für Justin an Kontroller 3! Was die XKiste one so alles kann!

Der größte Werbemarkt der Welt ist laut Spiegel Online immer noch das Fernsehen. Warum also nicht dort ein bisschen mehr Daten sammeln? Die neueste Spielkonsole unter dem Tannenbaum 2013 nennt sich XBox one. Mit dem allseits bekannten MS Kinect System kann nach Installation beobachtet werden, wer wann vor dem Fernseher hockt, wer bei welchem Spot wegschaut, lacht, gähnt – oder das Zimmer verlässt.

Xbox-Marketingchef Yusuf Mehdi sagt: „Das kann weder Google, noch Apple, noch Amazon oder Sony. Es weiß, wer Sie sind, was Sie wollen und wie Sie es wollen“, so Christian Stöcker bei Spiegel Online. „Wenn die Nutzer die Xbox One tatsächlich so verwenden, wie Microsofts Vision das vorsieht, als Universalfernbedienung (also auch für Windows-Betriebssyteme, Windows-Tablets und Windows-Handys), dann könnte das Gerät der mächtigste Datensammler werden, den die junge Datensammlerbranche je gesehen hat“, so Stöcker weiter.

Ich würde sagen, es wird langsam eng für die Realos mit Brettspielen und Festnetztelefon, Kofferradio und Röhrenfernseher. Demnächst gibt es auch Sofas mit USB Anschluss, so dass automatisch das Körperfett und der Blutzuckerspiegel gemessen wird. Ich freu mich schon auf den Hinweis: „Naschisperre für Justin an Kontroller 3, sonst Speedreduzierung und Panzerfaust eingefroren!“ „Oder gibt’s das schon?“

Yes we (s)can! Verschlüsseln, Anonymisieren, Verstecken

„Ja, das war doch klar!“, sagen zur Zeit viele, wenn sie auf den Abhörskandal von der NSA angesprochen werden. Was bedeutet das denn eigentlich? Es werden Petitionen geschrieben, wie zum Beispiel unter antiprism.eu, die von einer „echten Gefahr für das Menschenrecht auf freie Rede und Privatsphäre und damit für die Grundfesten unserer Demokratien“ sprechen. Interessanterweise wird gerade auch massenweise neue Software angeboten. Ich würde sagen ein ideales Geschäft für alle, die gerade zufällig etwas zum Selbstschutz im Netz anbieten. Motto: „Verschlüsseln, Anonymisieren, Verstecken, da bin ich dabei!“ Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Dudda (Piraten-SH) hat gerade eine Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Er will damit checken, ob die Überwachung der NSA auch in Deutschland stattfindet. Voll der Fuchs der Dudda? Für deutsche „Kooperationspartner“ würden dann das Telekommunikationsgeheimnis und das Bundesdatenschutzgesetz gelten, die das Abhören von Meta- und Kommunikationsdaten ohne gesetzliche Grundlage verbieten. Mehr dazu bei Spiegel Online.

Screenshot aus antiprism.eu

Screenshot aus antiprism.eu

Eine interessanter Beitrag auch von Monster-Blogger Sascha Lobo, der die Aussagen von Herrn Profalla (CDU) einer zweiten Analyse unterzieht. Profalla sagte u.a.: „Der Datenschutz wird von den deutschen Nachrichtendiensten zu 100 Prozent eingehalten. Es gibt keinen einzigen Fall, es gibt keinen einzigen Hinweis, der darauf hindeutet, dass der Datenschutz nicht hinreichend berücksichtigt wird.“  Mehr dazu hier. Nachdem die Bundesregierung nun einige Kritik einstecken musste, schlägt sie zurück. Sinngemäß lautet die Aussage: „Es ist zwar ein Skandal, aber wir sind nicht Schuld!“, denn der Herr Steinmeier von der SPD hat den Vertrag schon 2002 unterschrieben. Genaueres hier.

Was also tun als Mensch mit Geheimnissen? Links antäuschen und dann rechst verschlüsselt vorbeiziehen? Dazu Peter Gotzner von Spiegel Online: „Lässt sich nicht direkt feststellen, von wem Daten kommen, schneidet die NSA vorsorglich mit!“

Papa und Bruder helfen beim 1. Schuss

Neue LfM-Studie vorgestellt: Computerspiele(n) in der Familie

Kinder spielen immer früher mit dem Computer – Vätern kommt beim Thema Videospiele eine besondere Vorbildfunktion zu. (Ja, wenn Sie das mal merken würden ;-))

Kinder beginnen immer früher mit dem Computerspielen. Das Einstiegsalter der heutzutage Fünf- bis Achtjährigen wird sich künftig wahrscheinlich noch weiter nach vorn verschieben und damit Medienaufsicht und Jugendverbände vor große Herausforderungen stellen. Das zeigen Ergebnisse der Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) zum Thema „Computerspiele(n) in der Familie. Computerspielesozialisation von Heranwachsenden unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte“. Danach haben heute bereits viele Spielerinnen und Spieler im Vor- und Grundschulalter ihre ersten Erfahrungen mit Computerspielen gesammelt, wobei die Jungen tendenziell früher mit dem Spielen beginnen als die Mädchen.

Fast immer sind es männliche Bezugspersonen wie Vater, Onkel oder Cousin, die den Kindern den Weg in die Spielewelt zeigen – Mütter oder Schwestern spielen dabei kaum eine Rolle. Viele der Befragten berichten, dass ihre Computerspielenutzung nur wenig von den Eltern reguliert werde – ein Befund, der deutlich von anderen Studien abweicht. Solange schulische Verpflichtungen erledigt würden, scheint kein Regulierungsbedarf zu bestehen. Während die Väter die Tür zu den Spielen öffnen oder für ihre Kinder im Hinblick auf das Computer   spielen als Vorbild fungieren, sind es in vielen Fällen die Mütter, die den Hauptanteil der (Medien-)Erziehungsarbeit leisten.

Die Studie „Computerspiele(n) in der Familie“ steht auf der LFM Seite zum Download bereit.

Kontrolle im Netz, Eltern wollen doch nur das Beste oder?

Ist das alles zum Wohle der lieben Kleinen? Das Internet Security Unternehmen BullGuard hat eine Umfrage unter 2000 britischen, internetaktiven Eltern gestartet.  Dabei kam Erstaunliches zu Tage. 39 Prozent nutzen die „Wall“ in Facebook, um zu sehen, wer ihren Schützlingen Nachrichten hinterlässt, und 29 Prozent sehen die Fotoalben ihrer Kids durch.

Da stellt sich die Frage, was motiviert die Eltern das zu tun? Über 30% geben zu, überfürsorglich zu sein und nur so mitzubekommen mit wem Ihre Kids so verkehren. 16% der Eltern haben einen Freundestatus, aber auch bei 30% ist die Freundschaftsanfrage von ihren  Zöglingen abgelehnt worden. Na das lässt doch hoffen 😉

Ist es eigentlich auch bei Eltern in Deutschland normal, den Ordner ihrer Kinder „Gesendet Emails“  zu sichten? In GB machen das 23%! Es gibt elterliche Sorgen nicht nur um das Wohlbefinden, sondern auch um mögliche Viren, die an den Mails hängen könnten. Aber das Grundproblem, dass sich aus dieser Studie herauslesen lässt heißt Misstrauen!

„Viele Eltern nutzen die Informationsspuren, die ihre Kinder im Internet hinterlassen, aus, um sie zu kontrollieren“, sagt Claus Villumsen, Sicherheitsexperte bei BullGuard.

Es ist gut, dass von den technisch versierten Eltern, mehr als die Hälfte (55%) sich Gedanken über das Nutzungsverhalten ihrer Kinder im Netz machen. Aber sollte es nicht mehr um gemeinsames Erarbeiten von Regeln zur Nutzung von Netzwerken gehen, denn um neugierig im Privatleben der Kinder schnüffeln? Die Studie ist aus England, dass muss ja in Deutschland nicht genauso sein, aber schauen wir mal nach Amerika dann können wir auch die Steigerung dessen sehen: Im Blog Cyberwizard hat der Autor eine Sammlung von Spionage-Tools für Eltern unter dem Motto „Das gläserne Kind“ zusammengestellt.

 

Phantombrummen in der Hosentasche!

Die ARD-Themenwoche „Der mobile Mensch- Netzmobilität mit Suchtpotenzial. Virtualität ersetzt Realität“, so die Schlagworte zu dieser Woche. Die physische Mobilität weicht zunehmend der virtuellen, denn es ist mittlerweile egal, wo man sich auf der Welt befindet: Die Welt wird zum Dorf, Entfernungen spielen keine Rolle mehr. Die Arbeitswelt verändert sich dramatisch: Von Mitarbeitern wird erwartet, überall online zu sein. Und das heißt: immer erreichbar, immer verfügbar.


Dazu gibt es z.B. die Reportage: „Überall und Nirgendwo: Was morgen die Welt bewegt“, am 23. Mai 2011, 21.45 Uhr im Ersten.

Interessant auch eine Radioreportage zum Thema: „Plötzlich offline – Gibt es ein Leben ohne Internet und Handy?“ Hier wird berichtet wie zwei Journalisten im Selbstversuch 1-6 Monate ohne Internet und Handy auskommen. Zu Anfang des „Handysabbats“ ist es typisch, dass es ein Phantombrummen in der Hosentasche gibt. Jugendliche sollen bei ähnlichen Versuchen schon mal Nachts ihr Display leuchten sehen. – Solange sie dabei nicht Halleluja singen, wird es wohl noch unter normalen Entzugserscheinungen abgebucht. 😉