Phantombrummen in der Hosentasche!

Die ARD-Themenwoche „Der mobile Mensch- Netzmobilität mit Suchtpotenzial. Virtualität ersetzt Realität“, so die Schlagworte zu dieser Woche. Die physische Mobilität weicht zunehmend der virtuellen, denn es ist mittlerweile egal, wo man sich auf der Welt befindet: Die Welt wird zum Dorf, Entfernungen spielen keine Rolle mehr. Die Arbeitswelt verändert sich dramatisch: Von Mitarbeitern wird erwartet, überall online zu sein. Und das heißt: immer erreichbar, immer verfügbar.


Dazu gibt es z.B. die Reportage: „Überall und Nirgendwo: Was morgen die Welt bewegt“, am 23. Mai 2011, 21.45 Uhr im Ersten.

Interessant auch eine Radioreportage zum Thema: „Plötzlich offline – Gibt es ein Leben ohne Internet und Handy?“ Hier wird berichtet wie zwei Journalisten im Selbstversuch 1-6 Monate ohne Internet und Handy auskommen. Zu Anfang des „Handysabbats“ ist es typisch, dass es ein Phantombrummen in der Hosentasche gibt. Jugendliche sollen bei ähnlichen Versuchen schon mal Nachts ihr Display leuchten sehen. – Solange sie dabei nicht Halleluja singen, wird es wohl noch unter normalen Entzugserscheinungen abgebucht. 😉

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Das Glück der entgrenzten Zeit bei Jugendlichen!

„Dank dem Handy kann die Jugend sich in ihrer Freizeit lösen von den Zwängen des Vorausdenkens, der Planung und des Zeittakts, auf dem die moderne Gesellschaft beruht. Die Jugend erlebt das Glück der entgrenzten Zeit wie keine Generation zuvor seit dem Ende der Stammesgesellschaften. Kaum ist die Schulwoche um – und erst recht in den Ferien – , kehrt sie zurück zu einem Dasein nach Art der Jäger- und Sammlerhorden, die zusammen durch den Dschungel streifen, immer auf Rufweite zu den anderen.“

So beschreibt Spiegel Autor Manfred Dworschak den Einfluss des Handy’s heute. Er stellt weiter fest, dass Jugendliche für ein privilegiertes Leben fern vom Zeittakt, den Erreichbarkeitszwang in Kauf nehmen. Dafür soll es aber dann auch keine Langeweile oder keine Einzelentscheidungen mehr geben. Denn „kaum droht einem Jugendlichen mal ein Moment der Leere, greift er wie automatisch nach dem Handy und beginnt zu tippen.“ Oder kaum droht die Entscheidung, was man z.B. anzuziehen hat, dann klingelt man erst mal die Ladies an. Interessant auch was eine US-Psychologin beiträgt. Sie sagt „dass sich Kinder irgendwann, gewöhnlich im Alter zwischen 11 und 14 Jahren, zum ersten Mal allein in eine fremde Umgebung wagen – und sei es nur ein unvertrautes Stadtviertel. Das Empfinden des Verlorenseins, das sich dann vielleicht einstellt, müssen sie eben aushalten.“ Wenn sie es dann ohne 20x telefonieren geschafft haben zu ihrer vertrauten Umgebung oder Person zurück zu kommen, ist ihr Selbstwertgefühl und Vertrauen in sich gestärkt. Aber das extreme Un-Sicherheitsgefühl der verantwortlichen Eltern lässt solche wichtigen Lernsituationen wohl eher seltener werden. Oder?

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